Fashion Week Berlin 01.2015

Nun ist die Fashion Week in Berlin (19.-21.01.2015) zwar schon einige Tage her, doch SEKUNDÄR-SCHiCK war mittendrin und kann auch Einiges berichten. Aufgrund lehrvertraglicher Verpflichtungen fiel der diesjährige Messe-Ausflug allerdings etwas knapper aus: Die Schüler und Studenten wollten und sollten auf den Unterricht nicht verzichten.


Erste Anlaufstelle waren wieder die Grünen Messen. In diesem Jahr fanden die Ethical Fashion Show und der Green Showroom erstmals unter einem gemeinsamen Dach im Postbahnhof statt.
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller spricht über nachhaltige Mode

Interessant ist, dass auch politisch die Notwendigkeit für sozial- und umwelt-gerechte Kleidung eine immer größere Bedeutung erhält. So wurden die beiden Messen am Montagmorgen u.a. von Bundesentwicklungsminister  Dr. Gerd Müller eröffnet. Mit der Entwicklung der Zukunftscharta und des Textilbündnisses wurden inzwischen einige Entwicklungen durch dieses Ministerium angeregt. Bleibt zu hoffen, dass sich aus den Anregungen auch nachhaltige Prozesse entwickeln.

Eröffnung der EFS/ Green Showroom 01.2015, (vlnr: Ernst Grimmelt/ Bremer Baumwollbörse, Gerd Müller/ BMZ, Detlef Braun/ Messe Frankfurt)





Am Nachmittag ging es auf zur Bread & Butter. Nach diesem Hin & Her von Umzug nach Barcelona, Absage und Insolvenz und doch wieder Stattfinden war ich sehr gespannt.

Besucherabstimmung über die Zukunft der BBB

In einer Art Roadshow mit nur 40 Ausstellern am Firmensitz der BBB ging es quasi „back to the roots“. Und tatsächlich war es seit Langem wieder eine angenehme Atmosphäre auf dieser Messe, die ihren Zenit bereits überschritten hatte.

Schaufensterfront des Berliner Denham-Stores
Dort fiel das Jeanslabel Denham sofort ins Auge. Das war bestimmt wegen der durchgehenden Dekoration mit schönen Scheren, welche dem Künstler David Gensler zu verdanken ist.
Scherengestaltung im Denham-Shop durch David Gensler

Aber dieses Label bietet nicht nur Schönes fürs Auge. Wie auch bereits Nudie Jeans bietet Denham einen Reparatur-Service an. Die Hosen kann man auf Wunsch dort kürzen oder sogar von Hand waschen lassen. Im Unternehmensblog gibt es diverse Anleitungen, z.B. zum schonenden Waschen der heißgeliebten Jeans oder zum Ausbessern, falls die Hose mal ein Loch hat.

Bei Denham hängen die Jeans an Scheren
Beim Label Freitag gibt es nun nicht mehr nur Taschen. Aus dem Wunsch heraus, für die Mitarbeiter gute Bekleidung zu entwickeln wurde dort das sogenannte F-abric geboren.
kompostierbare Bekleidung aus F-abric bei FREITAG

F-abric wird komplett in Europa hergestellt, ist robust und nachhaltig produziert. Mit F-abric kommen Bekleidungsteile auf den Markt, welche ohne Rückstände kompostierbar sind incl. der Nähgarne. Als Rohstoff kommen Fasern zum Einsatz, welche auch in unseren Breitengraden ohne großen Einsatz von Wasser und Düngemitteln gut gedeihen, wie z.B. Hanf und Leinen. Weiter führende Informationen zu den 3 entwickelten Stoffen Heringbone, Jersey und Broken Twill sind direkt auf der Unternehmensseite zu finden.
F-abric-Hose – Verrottungsbeispiel bei Freitag

Auch die Knöpfe bei den F-abric-Bekleidungsteilen sind entweder für den Kompost oder für Ewigkeit bestimmt: Die Hosenknöpfe bestehen aus Metall, welches mit einem Schraubsystem versehen immer wieder verwendet werden kann. Die Hemdenknöpfe werden aus Steinnüssen gefertigt, welche jedoch importiert werden, aber zu 100% biologisch abbaubar sind.

schraubbare Metallknöpe (links oben) und Knöpfe aus Steinnuss (rechts)

Am nächsten Morgen beim Pressegespräch des Internationalen Verbandes der Naturtextilien iVN e.V. wurde u.a. positiv erwähnt, dass die Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr allesamt wachsen konnten, was nicht gerade typisch für die Bekleidungsbranche ist. Dies zeigt den wachsenden Bedarf an ökologischer und fairer Kleidung.

Pressegespräch des iVN: zahlreiche Nachhaltigkeitsstandards

Am Beispiel von Bio-Produkten bei Discountern wie Aldi oder C&A wurde aufgezeigt, dass Bio-Kleidung immer größere Bedeutung hat und im Mainstream angekommen ist. Die Entwicklung scheint ähnlich den Bio-Lebenmitteln im Supermarkt zu sein.

Wird Bio-Kleidung bald so normal wie Bio-Lebensmittel im Supermarkt?
Beim anschließenden Create Green Breakfast wurde über die Transparenz in der Daunenzulieferkette diskutiert. Immer noch spielen Daunen besonders bei Outdoorbekleidung eine große Rolle – und immer noch werden viele Daunen mithilfe zweifelhafte Methoden wie z.B. Lebendrupf gewonnen.
Create Green Breakfast über Daunen in Bekleidung

Im Publikum entstand eine lebhafte Diskussion über mögliche Alternativen zu Daunen. Als Beispiel wurden die Unternehmen Swisswool mit gesammelter oder recycelter Schafwolle sowie Bleed Organic Clothing mit recyceltem Polyester als Wattierung genannt. Auch Renate Künast saß im Publikum und diskutierte mit.

Renate Künast beim Create Green Breakfast

Schönes Resümee von Matthias Böhme (Swisswool): Wir sollten lieber darauf achten, WENIGER Kleidung zu konsumieren, als ständig nach Recyclingmöglichkeiten zu suchen.

Einen schönen Abschluss meiner persönlichen Fashion Week bildete die Modenschau der Berliner Designerin Esther Perbandt. Mit ihrer aktuellen Kollektion „I believe in Miracles“ unterstützt sie die Aktion „Kopf Hand Fuss“, die sich für bzw. gegen Analphabetismus einsetzt.

Hinweis auf Analphabetismus mit Tafel bei Esther Perbandt
Mit Kreidestreifen gegen Analphabetismus bei Esther Perbandt

Besonders gefallen hat, dass bei der Show nicht die typischen Modell zu sehen waren, sondern markante Gesichter, z.T. aus dem Freundeskreis der Designerin, wie z.B. der Schauspieler Alexander Scheer oder der „Flaneur und Entertainer“ Friedrich Liechtenstein.

Supergeil-Friedrich Liechtenstein bei Esther Perbandt

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