Zukunftsfähiges Design

Am 30. und 31.10.2014 fand in Berlin die 2. Femnet e.V. – Konferenz mit dem Thema Slow Fashion – Fast Fashion statt. Die große Fragestellung war: Wie kann die Modeindustrie, die auf ständigen Wachstum und Erneuerung ausgerichtet ist, sozial und ökologisch werden.

SEKUNDÄR-SCHiCK auf der FemNet e.V. Konferenz in Berlin

Zunächst wurden Wachstum versus Nachhaltigkeit erörtert. Dr. Christoph Sprich/ BDI betonte, dass es ohne Wachstum keinen Fortschritt gäbe. Die wachsende Weltbevölkerung erfordert ein Wirtschaftswachstum. Letztlich soll hier die Verantwortung jedes einzelnen Verbrauchers entscheidend sein.
Aber darf sich die Industrie so von der eigenen Verantwortung für Mensch und Umwelt distanzieren?
Andreas Simoneit/ Wachstumswende & Effizienzkritik legte dar, dass Wachstum auf Kosten sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit ausgelegt ist, und somit nicht unbegrenzt möglich ist. Er beleuchtete kritisch, warum wir alle konsumieren immer und immer wieder (z.B. in Bezug auf die neueste Technik wie Smartphone oder Computer). Am eigenen Beispiel erläuterte Herr Simoneit, wie schwer eine Konsum-Verweigerung ist, und welch hohe Kosten das letztlich bringt. Ja: Nicht-Konsum kostet heutzutage mehr Geld und Anstrengungen als Konsum! Die Suche nach technologischer Effizienz bewirkt das Wachstum, zu dem wir alle (noch) beitragen. Seine These lautet darum: „Ohne Wachstum zur fairen Gesellschaft“.

Konsumkritik bei Wachstumswende Andreas Simoneit

„Das Gewissen des Einzelnen kann ein Versagen der Institution nicht kompensieren.“
Herrmann Krings

Hilfestellungen zum Kleiderkosum

In einer weiteren Runde erörterten Nanda Bergstein/ Tchibo und Rolf Heimann/ Hess Natur das Problem der gerechten Entlohnung von Textilarbeitern. Weil leider nicht alle Auftraggeber bereit sind, freiwillig die Löhne lebensgerecht zu gestalten, sind hier gesetzliche Vorgaben gefordert. Dabei müssen diese gesetzlichen Vorgaben auch einem tatsächlichen Mindeststandard entsprechen. Das ist bisher leider nicht der Fall. Die Asia Floor Wage betont, dass lebengerechte Löhne ein Menschenrecht darstellen. Aber so lange es Gegenden gibt, in denen der Arbeitslohn äußerst gering ist, wird es weiter den „Konfektionstourismus“ geben. Auch unsere öffentliche/ staatlichen Einrichtungen und Kirchen sollten bei Ihrer Beschaffung endlich mit gutem Beispiel voran gehen.

In einem interessanten Vortrag zeigte Kirsten Brodde Einblicke in die aktuelle Detox-Kampagne von Greenpeace. Als Umweltschützer hatte Greenpeace zunächst das Thema Wasserverschmutzung im Visier. Nach einiger Recherche stellte sich heraus, dass die Textilindustrie der größte Verunreiniger von Frischwasser ist. Im Produktionsland China gelten 70% der Gewässer als verseucht. Durch dieses Wasserverschmutzungsproblem gelangen giftige Chemikalien in Lebensmittel und ins Trinkwasser. Die Verschmutzung bedroht also nicht nur das Ökosystem, sondern auch die Gesundheit der Menschen. Die Chemikalien fallen bei der Produktion unserer Bekleidung an, und werden meist ungereinigt in die Gewässer abgeleitet. Die großen Unternehmen als Auftraggeber in China stehen in der Verantwortung, Veränderungen herbeizuführen, um die Verseuchung zu beenden. Inzwischen haben 26 Marken wie z.B. Adidas, G-Star und H&M versprochen, Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen. Bis zum Jahr 2020 soll die Textilproduktion komplett giftfrei sein.

Zu guter Letzt haben einige Konferenzteilnehmer versucht, in einem Workshop Ideen für nachhaltiges Design zu entwickeln. In unserer Zeit, da Rohstoffe immer knapper werden, ist es wichtig, auch bei Textilien und Bekleidung, eine Art Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Dies ist offensichtlich kein Produktproblem, sondern ein Strukturproblem. Wichtig ist es, neue Konzepte zu entwickeln, die Ökonomie und Ökologie vereinbaren. Vielleicht könnte dies ein Äquivalent zum „Grünen Punkt“ aber für Bekleidung sein? Hier sind die (angehenden) Designer gefragt: Wir müssen ganzheitlich denken. Wir müssen Ideen und Strategien zusammenbringen, von denen wir bisher nicht glaubten, dass sie zusammengebracht werden können. Bereits im Designprozess sollen Designer an die Wiederverwendung der einzelnen Elemente denken.

Garne aus Alttextilien – liebevoll aufbereitet und beschriftet

Nur nachhaltiges Design ist zukunftsfähiges Design!

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